Interview mit Roger Nordmann

Nationalrat und Präsident von Swissolar

Swiss Metering: Der Branchenverband Swissolar vertritt die Interessen von rund 500 Verbandsmitgliedern mit über 10'000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche. In ihrer Stellungnahme zur laufenden Revision der Energieverordnung beklagen Sie die hohen Kosten für Messdienstleistungen. Wo liegt das Problem und wie präsentiert sich aus Ihrer Sicht die Situation?

 

Roger Nordmann: Ab 30 kW ist eine Lastgangmessung Pflicht. Aus systemischer Sicht macht das Sinn, auch wenn zurzeit die Daten noch nicht in Echtzeit verwertet werden. Viele Elektrizitätswerke verlangen aber sehr hohe Mieten für solche Zähler; ab 600 CHF aufwärts pro Jahr. Da die Investitionskosten für PV-Anlagen (Photovoltaik) und folglich die KEV-Tarife (Kostendeckende Einspeisevergütung) gesunken sind, fällt das zu stark ins Gewicht. Zum Beispiel bei einer 30 kW Anlage, welche 30'000 kWh produziert, bedeuten 600 CHF Jahresmiete für den Zähler Kosten von 2 Rappen pro kWh. Das ist völlig unverhältnismässig und kann bei Gestehungskosten von 20 Rappen Projekte aus dem Rentabilitätsbereich verdrängen. Letztlich werden über 25 Jahre 15'000 CHF für das Messen bezahlt!

 

 

Swiss Metering: Hat der Bundesrat nicht bereits vor Jahren in der Energieverordnung geregelt, dass im Bereich des Metering eigentlich ein Markt besteht und Endkunden die Möglichkeit haben einen eigenen Messdienstleister zu bestimmen?

 

Nordmann: Als wegen der Senkung der KEV-Tarife für PV die prozentuale Last der Zählermiete allmählich unerträglich wurde,  habe ich das Problem höchstpersönlich untersucht und dabei entdeckt, dass das Messwesen liberalisiert ist (Art 8 StromVV). Das haben wir der Branche sofort kommuniziert. Dies hat dazu beigetragen, dass verschiedene Akteure wie Swiss Metering jetzt in die Lücke einspringen und preisgünstigere Lösungen anbieten wollen.

 

 

Swiss Metering: Die StromVV sieht eine Selbstregulation vor, wonach die Netzbetreiber selbst den Zugang dritter Messdienstleister hätte regeln sollen. Was kann aus ihrer Sicht durch wen unternommen werden, damit diese Marktöffnung nicht in einem langwierigen Prozess erkämpft werden muss und die Erzeuger und Stromkunden noch jahrelang auf günstigere Angebote für Lastgangmessungen warten müssen?

 

Nordmann: Diese Messpraxis war eine ungerechtfertigte Situationsrente für EVU [Elektrizitätsversorgungsunternehmen]. "First mover" wie Swiss Metering müssen dies nun in der Praxis durchsetzen. Falls nicht kooperiert wird, muss mit dem Gang zur ElCom [Eidgenössischen Elektrizitätskommission] gedroht werden und im Bedarfsfall muss diese Drohung umgesetzt werden. Eine Änderung der Verordnung würde nichts bringen da der Markt schon liberalisiert ist. Aus Sicht der Installateure sollte es willkommen sein, einen solchen "First Mover" zu unterstützen.

 

 

Swiss Metering: Welche Einsparpotenziale sehen sie denn nun bei den Kosten für Lastgangmessungen und welche Bedeutung hat das für die Photovoltaik in der Schweiz?

 

Nordmann: Das BFE [Bundesamt für Energie] segelt mit den KEV-Tarifen sehr hart am Wind, weil der Bundesrat mit den KEV-Geldern möglichst viele kWh realisieren will; was an sich sinnvoll ist. Aus unserer Sicht gehen momentan die Tarifsenkungen aber eher zu rasch. Für die mittleren PV-Anlagen (30 bis 100 kW) ist die aktuelle Zählermiete ein grosser Kostenfaktor, der jetzt reduziert werden soll. Ich erwarte übrigens eine aktive Unterstützung des BFE für die Senkung der Kosten im Messwesen.

 

 

Swiss Metering: Viele Netzbetreiber machen geltend, dass sie gemäss Energieverordnung für das Messwesen verantwortlich sind. Sie befürchten, dass die Zuverlässigkeit des Messwesens durch die vielen zusätzlichen Schnittstellen leiden könnte, wenn private Dienstleister hier auftreten. Halten Sie denn einen Messdienstleister-Markt für notwendig und richtig?

 

Nordmann: Es ist jetzt ein Markt. Folglich soll er spielen. Wenn man wieder ein Monopol machen will, wäre es möglich, dann müssten die Tarife aber vom Staat streng kontrolliert werden. Bis jetzt waren die EVU in einer komfortablen Lage; rechtlich ein Markt ohne Preiskontrolle. Faktisch ein Gebietsmonopol, das ihnen erlaubte, zu hohe Tarife durchzusetzen.